Pamela Rendi-Wagner wird (höchstwahrscheinlich) die erste Chefin der SPÖ und mit Beate Meinl-Reisinger bekommt eine andere Parteichefin ihr drittes Kind – ohne sich deshalb aus der Politik zurückzuziehen. Es war ein guter Tag für uns Frauen.

Vor etwas weniger als einem Jahr wurden alle Parlamentsparteien von Männern geführt, jetzt schaut es etwas besser aus: Wenn alles gut geht, haben bald zumindest zwei Oppositionsparteien eine Frau an der Spitze.

Die „Trümmerfrau“ der SPÖ

Zuerst zur SPÖ: Sehr oft ist heute das Phänomen der „Trümmerfrauen“ (oder auch der „Gläsernen Klippe„) zitiert worden – Frauen, die erst zum Zug kommen, wenn alles den Bach runtergegangen ist. Es gibt viele Beispiele für diesen Effekt: Theresa May ist so ein Beispiel, Angela Merkel ein sehr erfolgreiches. Auch in der alles andere als rosigen Lage der SPÖ haben zuvor alle möglichen Männer abgesagt, bevor am Schluss nur noch zwei weibliche Namen im Raum standen (eine davon wollte nicht). Aber es wird Zeit, dass wir diese Frauen nicht mehr nur als Putztrupps runtermachen, die sich aus Nettigkeit auch zu unangenehmen Aufgaben nötigen lassen. Sie übernehmen Verantwortung in einer Zeit, in der es nötig ist. Sie haben es aber auch drauf, in guten Zeiten zu führen, wenn man sie nur lässt. Bei der ersten Krise und vernichtenden Kritik möge man sich daran erinnern, dass niemand von den Männern der SPÖ auch nur genug Verantwortungsgefühl der Partei gegenüber besaß, um den Job selbst zu machen. Und vielleicht kann die SPÖ unter Pamela Rendi-Wagner endlich moderne, feministische Politik machen und eigene Themen setzen, anstatt den rechten Schreihälsen nachzuhecheln.

Kinderüberraschung

Die andere große Nachricht des Tages war Beate Meinl-Reisinger, Parteichefin der NEOS, die ihr drittes Kind erwartet. Sie wird ein Monat lang pausieren, ihr Mann geht ein Jahr in Karenz. Nachdem bereits Umweltministerin Elisabeth Köstinger oder Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern ähnliche Situationen gemeistert haben, würde man meinen, dass es hier nichts zu sehen gibt – aber die Wortmeldungen in diversen Kommentarspalten zeigen, dass längst noch nicht alle im Jahr 2018 angekommen sind, ob im Bezug auf Meinl-Reisinger oder Rendi-Wagner. Wie ist das eigentlich mit den Männern, die ständig ausfallen, weil sie sich ja um ihre Kinder kümmern müssen? Oder mit denen, die Parteien an die Wand fahren?

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Zeigen, was möglich ist

Die österreichische Politik braucht mehr Frauen – gerade jetzt, gerade in diesen lauten, hetzerischen, unvernünftigen Zeiten. Aber wir Jungen brauchen auch Frauen, die uns zeigen, was alles möglich ist. Studierte Medizinerin, Expertin für Tropenmedizin, Gastprofessorin in Israel, Ehefrau, Mutter, Quereinsteigerin, jetzt Parteichefin – das zeigt, dass man sich nicht zwischen Familie und Karriere, nicht einmal zwischen außerpolitisch-beruflichem Erfolg und Parteipolitik entscheiden muss. Dass man auch als Quereinsteigerin an die Parteispitze kommen kann. Dass man Familienzuwachs freudestrahlend verkünden darf und dabei nicht seinen Rücktritt verkünden muss. Ein Beispiel, wie es geht. Es ist viel leichter, die Spitzenpolitik, den Vorstandsposten oder Chefsessel anzustreben, wenn eines der Gesichter, die man dabei im Kopf hat, weiblich ist.