Alle haben gespannt darauf gewartet, Mittwoch Abend war es endlich so weit: Mark Zuckerberg hat sich zu dem geäußert, was er etwas euphemistisch die „Cambridge Analytica Situation“ nennt.

Für alle, die die „Situation“ nicht ganz mitbekommen haben, eine kurze Zusammenfassung: Die Firma Cambridge Analytica hat in einer vermutlich nicht ganz legalen, vor allem aber unguten Aktion Daten von Millionen Facebook-Nutzern abgegriffen, um psychologische Profile von ihnen zu erstellen und ihnen anhand dieser Profile maßgeschneiderte Werbung vorzusetzen. Werbung, um Trump ins Weiße Haus zu bringen. Weder dieses „Microtargeting“, noch das Sammeln von Facebook-Daten sind besonders ungewöhnlich oder illegal, allerdings gibt es zwei Vorbehalte:

1) Die Daten wurden über eine App erhoben, bei der Nutzer zustimmten, zu akademischen Zwecken einen Persönlichkeitstest auszufüllen. Die Daten hätten also nicht für irgendetwas anderes als wissenschaftliche Forschung weiterverwendet werden dürfen. Nutzer wurden also über den wahren Hintergrund der Abfrage hinters Licht geführt, während eine ähnliche Datensammlung bei Obama damals zumindest unter der Kampagnen-App lief. 

2) Die App analysierte nicht nur die Daten von Nutzern, sondern auch die von deren Freunden. Diese Möglichkeit wurde von Facebook später eingeschränkt; die Frage, ob Cambridge Analytica hier gegen Nutzungsbedingungen verstoßen hat, hängt vom genauen Zeitpunkt der Registrierung der App ab.

Bei allen berechtigten Rufen nach Konsequenzen sollte die Rolle von Cambridge Analytica aber auch nicht überschätzt werden. Maßgeschneiderte Werbung kann bedenkliche Auswirkungen haben, ist aber keine Gehirnwäsche. An Trump sind die Amerikaner schon selbst schuld.

Die Stellungnahme von Zuckerberg kam reichlich spät und war, wie all seine Aussagen zur fragwürdigen politisch-gesellschaftlichen Rolle von Facebook, seichtes Blabla. Wer es zuerst jahrelang versäumt hat, betroffene Nutzer zu informieren, und versucht hat, investigative Berichterstattungen zu unterbinden, kann jetzt nur ein Lippenbekenntnis zu positiver Veränderung abgeben.

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