Am Anfang der demokratischen Vorwahlen war das Kandidatenfeld unglaublich divers: Es hätte den ersten asiatisch-amerikanischen Präsidenten geben können. Es hätte den jüngsten Präsidenten geben können (und den ersten offen homosexuellen). Einen weiteren schwarzen Präsidenten. Mehrfach gab es die Chance auf die erste Präsidentin. Es hätte sogar eine erste schwarze Präsidentin geben können.

Dass jetzt, viele Wochen später, ausgerechnet zwei alte weiße Männer als „beste“ Kandidaten übrig bleiben1Ja, theoretisch ist Tulsi Gabbard auch noch dabei, aber sie wird wohl eher nicht die neue Präsidentin., muss natürlich ein Zufall sein.

Nach Donald Trump hätte ich mir eigentlich gedacht, dass ich gegenüber Enttäuschungen aus der amerikanischen Politik ziemlich abgehärtet bin. – Was kann denn jetzt noch kommen?

Aber dass Elizabeth Warren nicht die nächste Präsidentin, ja nicht einmal demokratische Kandidatin wird, tut überraschend weh.

Die höchsten Ansprüche

Intelligent sein, kompetent sein, leidenschaftlich sein.
Etwas aufbauen, Ideen durchbringen.
Eine Vision haben. Einen Plan haben.
Es mit den Großen aufnehmen, gegen Korruption kämpfen, Dinge in Frage stellen, hart arbeiten, Debatten gewinnen.

Was muss man denn als Frau noch alles machen, um endlich gut genug zu sein?

Viele amerikanische Wähler*innen glauben, dass Warren/Harris/Klobuchar und so viele andere gegen Trump keine Chance hätten, weil sie Frauen sind. Also geben wir ihnen am besten auch keine.

Wer wird es jetzt?

Vielleicht gewinnt jetzt Joe Biden und sein nostalgischer „unter Obama war alles noch gut“ Wahlkampf ist das Einzige, das gegen Trump hilft.
Vielleicht gewinnt Bernie Sanders und er kann beweisen, dass nur Kompromisslosigkeit und Polarisierung helfen, um Trump zu schlagen.

Vielleicht.

Aber es gibt nur eine, die ich wirklich gern im Weißen Haus gesehen hätte. Die Welt braucht eine amerikanische Präsidentin, die eine Vision für die Zukunft hat, und nicht nur in die Vergangenheit blickt. Sie brauch aber auch eine Präsidentin, die wieder ein Stück Vernunft nach Amerika bringt und mit Empathie Brücken baut, anstatt genauso kompromisslos wie Trump zu sein und alle vom demokratischen Establishment abwärts als Feinde zu sehen.

Es ist schade, dass diese Präsidentin nicht Elizabeth Warren sein wird. Vielleicht können sich die beiden Herren ja bemühen, manchmal ein bisschen mehr zu sein wie sie.