Das war … besser als erwartet? Die Nationalratswahl 2019 bringt einen eindeutigen Wahlsieger Kurz, Verluste für die FPÖ und einen fulminanten Wiedereinzug für die Grünen.

Die starken Verluste der FPÖ sind durchaus überraschend: Offenbar gibt es ein paar FPÖ-Wähler, denen doch nicht alles egal ist (die Grenze liegt wohl irgendwo bei 42.000€). Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass die Salzburger FPÖ-Chefin Marlene Svazek recht hatte: Die FPÖ hat mittlerweile eine stabile Stammwählerschaft von 15%.

Wie links kann Sebastian Kurz?

Die meisten der enttäuschten Ex-FPÖler sind jetzt bei Kurz gelandet – das sind Leihstimmen, die er verlieren wird, wenn er nicht noch einmal auf schwarz-blau setzt – und das wird die Gretchenfrage der Koalitionsverhandlungen:

Wird die ÖVP nach links rücken müssen, oder kettet sich Sebastian Kurz auf Gedeih und Verderb an seine rechte Politik?

Schwarz-blau zusammen hat heute fast 5% verloren, schwarz-blau-pink hat keine Verfassungsmehrheit mehr. Nichtsdestotrotz ist Sebastian Kurz von vielen eben auch wegen seiner bisherigen Politik gewählt worden – einer Politik, die sich etwa mit den Grünen wohl nur schwer fortsetzen lässt.

Zwei ungleiche Partner

Die Koalitionsverhandlungen werden auf jeden Fall interessant: Journalisten und Kommentatoren setzen auf schwarz-grün, aber inhaltlich liegen zwischen diesen beiden Parteien (zumindest der bisherigen ÖVP unter Sebastian Kurz) Welten und die Kurz’sche Message Control machen die Grünen wohl auch eher nicht mit. Da könnten die inhaltlich näheren Blauen nach langwierigen Verhandlungen plötzlich doch wieder attraktiv werden.

Die Grünen und die ÖVP stehen sich inhaltlich nicht wirklich nah.
Dazu kommt, dass die ÖVP seit 2014 in ihrer Gesellschaftspolitik eher noch konservativer geworden ist.

Andererseits: Wenn Sebastian Kurz etwas ist, dann ein Opportunist und maximal Inhalts-elastisch. Der Trend Europas, der Trend der Zukunft ist grün. Vielleicht verkauft sich Sebastian Kurz bald als Klimaretter (O-Ton: „Ich habe die CO2-Route geschlossen“).

Und sonst?

Was bleibt sonst? Die verhasste Koalition mit der SPÖ – eher unwahrscheinlich. Eine Minderheitsregierung: Durchaus möglich, da die ÖVP immer nur einen Partner braucht und dafür drei zur Auswahl hat. Allerdings hat sich Sebastian Kurz bei den anderen Parteien nicht gerade beliebt gemacht, das spricht eher nicht für große Unterstützung. Sonst bleiben noch Neuwahlen, wir hatten ja schon lange keine mehr.
Es wird auf jeden Fall spannend.

Erfrischenderweise war in diesem Wahlkampf endlich einmal nicht
die Migration erstes und einziges Thema.
Quelle: www.sora.at

Abschließend noch eines: Nach einem Wahlkampf, in dem die Themen Umweltschutz und Käuflichkeit der Politik dominiert haben, steht die ÖVP deutlich an erster Stelle. Österreich: Darüber müssen wir noch einmal reden.